María Pita rettete den Jakobsweg

Published on

17. April 2025

María Pita spielte eine entscheidende Rolle in der Geschichte des Jakobswegs, da sie verhinderte, dass Francis Drake das Grab des Apostels plünderte.

Wer den Englischen Weg ab A Coruña startet, taucht direkt ein in eine Stadt voller Geschichte, Kultur und beeindruckender Persönlichkeiten, die Galicien geprägt haben. Eine dieser Persönlichkeiten ist eine Frau, deren Name bis heute untrennbar mit der Stadt verbunden ist: María Pita. Ihr Name steht nicht nur auf dem wichtigsten Platz der Stadt – direkt vor dem Rathaus – sondern sie ist auch Mittelpunkt eines der beliebtesten Stadtfeste von A Coruña. Aber wer war María Pita wirklich? Und welche Rolle spielte sie in der Geschichte von A Coruña?

A Coruña gegen die Englische Armada

Im Jahr 1589, nach dem Scheitern der Spanischen Armada, schickte Königin Elisabeth I. von England eine neue Offensive nach Spanien. Der berühmte Freibeuter Francis Drake landete mit über 14.000 Soldaten in Galicien. Sein Ziel: A Coruña einnehmen, Santiago de Compostela plündern und ein Zeichen gegen die Macht des Katholizismus setzen. Was viele nicht wissen: Einer der Hauptgründe für diesen Angriff war es, die Reliquien des Apostels Jakobus zu stehlen und sie als Trophäe nach England zu bringen. Doch der Erzbischof von Santiago, Juan de Sanclemente, reagierte schnell. Er ließ die Reliquien in einem geheimen Versteck im Inneren der Kathedrale sichern. Nur wenige wussten von diesem Ort – und über die Jahrhunderte geriet er in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Reliquien wiederentdeckt. Dieser Schritt war entscheidend, um eines der größten christlichen Symbole Europas zu retten – und ebenso entscheidend war der Mut von María Pita.

María Pita: Witwe und mutige Kämpferin

Während des Angriffs fiel ihr Ehemann Gregorio de Rocamonde im Kampf. Doch María Pita zögerte nicht lange. Sie griff nach der Lanze eines englischen Offiziers, tötete ihn eigenhändig und rief den legendären Satz: „Quen teña honra, que me siga!“ – „Wer Ehre hat, folge mir!“ Ihr Mut entfachte den Kampfgeist der Verteidiger und sorgte dafür, dass die Engländer die Stadt nicht einnehmen konnten. Ihre Heldentat machte María Pita unsterblich – sogar König Philipp II. von Spanien ehrte sie mit einer lebenslangen Pension und dem Titel einer ausgezeichneten Soldatin.

Das bewegte Leben der María Pita

Geboren in einfachen Verhältnissen, heiratete María Pita viermal und hatte mehrere Kinder. Ihr Leben war alles andere als einfach – geprägt von Prozessen, Verlusten, juristischen Streitigkeiten und sogar einem kurzen Gefängnisaufenthalt. Doch sie kämpfte immer weiter – für sich und ihre Familie. In ihren späteren Jahren verwaltete sie ihre Besitztümer klug, reiste bis an den Hof des Königs und blieb bis zu ihrem Tod im Jahr 1643 in Cambre (bei A Coruña) eine respektierte Persönlichkeit.

Das María Pita Museum in A Coruña

Wer mehr über diese außergewöhnliche Frau erfahren möchte, kann heute das Casa Museo María Pita im historischen Zentrum von A Coruña besuchen. Zu sehen gibt es unter anderem:
  • Eine originalgetreue Nachbildung ihres Wohnhauses
  • Eine Ausstellung über das Königreich Galicien im 16. und 17. Jahrhundert
  • Informationen über A Coruña zur damaligen Zeit
  • Einblicke in den Konflikt zwischen Spanien und England und die Rolle der Stadt dabei
Zusätzlich gibt es regelmäßig spannende Sonderausstellungen.

Das María Pita Fest

Jeden August feiert A Coruña das María Pita Fest – ein großes Stadtfest zu Ehren dieser außergewöhnlichen Frau. Wochenlang gibt es Konzerte, Märkte, kulturelle Veranstaltungen und historische Nachstellungen der Verteidigung gegen die Engländer. Ein perfekter Zeitpunkt, um Galicien zu besuchen und A Coruña von einer ganz besonderen Seite kennenzulernen.

Der Englische Weg ab A Coruña

A Coruña, die Stadt von María Pita, ist auch ein offizieller Startpunkt für den Jakobsweg – genauer gesagt für den Camino Inglés. Bereits im Mittelalter nutzten Pilger aus England, Irland oder Skandinavien diesen Weg, nachdem sie mit dem Schiff in Galicien angekommen waren. Die Strecke ab A Coruña ist kürzer als ab Ferrol und reicht allein nicht aus, um die Compostela zu erhalten – es sei denn, man wohnt in der Stadt und ergänzt den Weg mit Besuchen an offiziellen Jakobsorten. Möchte ein ausländischer Pilger ab A Coruña starten und die Compostela erhalten, muss er nachweisen, dass er die fehlenden Kilometer in seinem Heimatland auf einer offiziellen Jakobsroute zurückgelegt hat. Diese Möglichkeit gilt derzeit nur für Pilger aus Europa. Der Weg ab A Coruña ist dennoch ideal für alle, die Ruhe, Natur und einen weniger überlaufenen Weg suchen. Die Strecke beginnt am Meer und führt später durch Wälder und ländliche Regionen – ein sehr persönlicher Jakobsweg, der in einer Stadt voller Geschichte startet.

A Coruña, Die Glasstadt

A Coruña hat aber noch viel mehr zu bieten als die Geschichte von María Pita. Eine Stadt direkt am Meer, mit urbanen Stränden wie Orzán und Riazor, der längsten Uferpromenade Europas und beeindruckendem Kulturerbe. Die berühmte Herkulesturm, der älteste noch betriebene Leuchtturm der Welt aus der Römerzeit, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und die gläsernen Fassaden in den „Cantones“ haben der Stadt den Beinamen „Glasstadt“ eingebracht. Ein Kaffee oder ein Wein auf einer Terrasse am María Pita Platz, mit Blick auf das Rathaus und die Statue der Heldin – das ist A Coruña-Feeling pur.

Geschichte erleben, von A Coruña nach Santiago

Mit Rutas Meigas laden wir dich ein, Galicien zu entdecken, den Jakobsweg ab A Coruña zu starten und die Geschichte von María Pita kennenzulernen – einer Frau, die nicht nur das Schicksal ihrer Stadt veränderte, sondern auch die Reliquien des Apostels Jakobus rettete und ein unvergessliches Erbe hinterließ. Buen Camino!

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